Werke

Kleine Bekenntnisse

Wassermusik

Schöne Papiere und der Fluss von Wasserfarben haben mich schon immer fasziniert. Ein paar Tropfen Wasser, fein geriebene Pigmente, Gummi arabicum und ein wenig Honig stehen in leuchtenden Pfützen auf dem Büttenpapier. Langsam trocknend, bilden sie einen feinen Film, der schichtweise mit anderen Tönen überlagert oder auch wieder ausgewaschen werden kann. Änderungen am Motiv sind so lange möglich, wie Malgrund, also das Papier, seine weiße Strahlkraft behält, um die auf ihm liegenden Pigmente leuchten zu lassen.

Wenn man Freude an Wasserfarben hat, kommt man an der chinesischen Reibetusche eigentlich nicht vorbei. Nur verhält sie sich auf Büttenpapier ganz anders als unsere europäischen Wasserfarben und Tuschen und entwickelt nicht die Strahlkraft und Plastizität, die man von asiatischen Tuschmalereien kennt. Man muss den gewohnten Malprozess also völlig umstellen. Voraussetzung dafür sind die im Chinesischen sogenannten "vier Schätze der Studierstube":

Hat man die vier Dinge beisammen, kann es losgehen. Etwas Wasser auf den Reibestein gegeben, den Tuschstein reiben und es passiert etwas Wunderbares: der Raum füllt sich mit einem erdigen, leicht rauchigen Duft, in dem Noten von Kampfer und Moschus mitschwingen. Von dieser Wolke umfangen, taucht man den Pinsel in die Tusche und beginnt zu malen. Anders als beim Aquarell auf Bütten dringt die Tusche sofort tief in das Reispapier ein. Korrigieren lässt sich da nun kaum noch etwas, die Tusche sitzt fest im Papier. Man sollte vorher also schon eine ziemlich klare Vorstellung davon haben, wohin die Reise gehen soll.

Ist die Tusche getrocknet, wird das Bild mit einem dahinter kaschierten Papier hinterlegt. Dieses dient als reflektierender Grund, der das Licht aufnimmt, verstärkt und die feinen Nuancen der Grautöne hervortreten lässt. Natürlich zeigen sich jetzt auch manche Unvollkommenheiten. Hier bewahrheitet sich dann der schöne Spruch: Der beste Freund des Tuschmalers ist der Papierkorb. Dann man beginnt von vorn, und freut sich diebisch, wenn ein Blatt gelungen ist.

zur Tusche

Herakles – Mythenschnipsel

Das oft allzu menschliche Treiben der griechischen Götter und Heroen, ihre Lieben, Zwiste und Intrigen, ihre Siege und Niederlagen, aber auch ihre magischen Verwandlungen auf ihren Reisen zwischen Himmel und Erde und ihr Verhältnis zum Spielball „Mensch" sind bis heute ein unerschöpfliches Modell der Weltdeutung. Nun unterliegen Götter im Gegensatz zum Homo Sapiens nicht dem Zwang zur moralisch-ethischen Rechtfertigung ihrer Taten. Sie sind, was sie sind und sie tun, was sie tun. Für sterbliche Heroen wie den Warlord Odysseus, der in die Welt zieht, um neue Siedlungsgebiete für die anwachsende Sippe zu finden, wirft die antike griechische Literatur erstmals diese Fragen auf. Das geht bis hin zur pazifistischen Komödie „Lysistrata" des Aristophanes, in der die Frauen von Athen und Sparta ihren kriegerischen Männern Sex nur für den Friedensschluss im Peleponnesischen Krieg anbieten.

Herakles, der Superheld der griechischen Mythologie, gezeugt vom unsterblichen Zeus und der schönen Sterblichen Alkmene, ist ein Zwitter, ein Halbgott, der zwischen der irdischen und der göttlichen Sphäre steht. Von Hera, der eifersüchtigen Zeusgemahlin, schon vor seiner Geburt verflucht, muss sich Herakles erst auf Erden die vollkommene Göttlichkeit erarbeiten, um in den hehren Olymp aufgenommen zu werden – natürlich erst nach seinem Tod, der kein Heldentod war. Hier bleiben die griechischen Erzähler ganz beim Ausgangskonflikt seiner Existenz, dem zwischen Liebe, Eifersucht und Verrat, indem er erst brennend und somit gereinigt vom irdischen Dasein in den Olymp auffahren kann.

Ausgestattet mit göttlichen Kräften und ein wenig Witz, löst er Aufgaben die, wie Hera und Erystheus hoffen, zu seinem Tod führen sollen. Er besiegt Ungeheuer, zähmt wilde Tiere, fängt den Hund des Hades in der Unterwelt ein. Er ist der siegreiche Kämpfer gegen den Tod, befleckt mit dem Blut seiner Feinde und dennoch ohne Schuld. Auch er ist, wie er ist und tut, was er tut. Erst, wenn er göttliche Bereiche – wie auch den Hades – betritt, muss er entsühnt werden oder sich göttlichen Schutzes vergewissern. Götter brauchen und haben nun mal weiße Westen.

Götter, Menschen und Heroen stecken in den Kinderschuhen des Abendlandes und mit ihnen die bis heute berechtigte, aber ungelöste Frage „Was tun wir hier eigentlich auf dem Erdenrund?" Und vor allem: mit welchem Recht tun wir, was wir tun? Mit dem Recht göttlicher Selbstermächtigung und ganz schlechten Ausreden, wenn es mal wieder schief geht?

Als Kind schmökerte ich, auch noch nachts mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, in Gustav Schwabs „Die schönsten Sagen des klassischen Altertums" und malte mir wilde, farbenprächtige Bilder aus. Eine Schere und farbige Papiere eröffnen mir heute einen grenzenlosen Spielplatz. Die Götter – ein Flirt mit Form, Farbe und Struktur – Freude pur!

zu Herakles

Digitanten – die mit dem Finger wischen

Null oder Eins, Ja oder Nein, Top oder Flop. Trommeln in der Nacht!

Lange bevor wir Heutigen unsere Nachrichten per Smartphone in die Welt wischten, waren Menschen bestrebt, Informationen zu digitalisieren, sie in einzelne Segmente zu zerlegen, die, im Zusammenhang gehört oder gesehen, für den Empfänger eine sinnstiftende Information enthielten. Trommel-, Licht- und Rauchsignale, das Morsealphabet, das Telefon und die Lochkarte sind Beispiele. Die vor allem militärisch genutzten Röhrencomputer der 1940er Jahre waren Vorläufer der raumfüllenden Großrechner in Forschungseinrichtungen der 1950er Jahre, die Differenzialgleichungen lösten und dabei so heiß wurden, dass der gesamte Raum gekühlt werden musste. Wer denkt da nicht an den Supercomputer „Deep Thought" in Douglas Adams' „Per Anhalter durch die Galaxis", der 7,5 Millionen Jahre rechnete, um auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest die Zahl 42 auszuspucken. Zusehends wurden die Computer kleiner, privater. Vom ersten Smartphone 1996 bis zu den heute gebräuchlichen Alleskönnern vergingen gerade einmal 27 Jahre. Sie gehören zu unserem Alltag wie der Faustkeil zum Neandertaler.

Wir tratschen und twittern, soweit die Netze reichen, machen Bilder von uns und der Welt, überweisen Steuern, finden Kochrezepte, melden Brände und wissen auf einen Wischer, wo wir auf der Fahrt von Kairo zum blauen Nil gut essen können. Siri mach die Tür zu! Oh je, die Datenspur, die uns folgt wie die Schleimspur der Nacktschnecke auf dem Plattenweg im Garten. Null oder Eins, ja oder Nein, Top oder Flop, wer bin ich? Die Summe meiner Daten?

zu den Digitanten

Bio

Zeichnung von Rainer Henze: Klaus Völker im Atelier bei der Arbeit an Stocksteif und Wolkenblau, 1985

Rainer Henze: Tagebuchskizze – Klaus Völker im Atelier bei der Arbeit an Stocksteif und Wolkenblau, 1985

1952
geboren in Halle/Kröllwitz
1975–76
Restauratorengehilfe bei Horst Sassermann, Landsberg
1976–82
Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein, Halle, Fachbereich Metall /Emailgestaltung bei Prof. Irmtraud Ohme, Diplom
1982–84
Aspirantur bei Prof. Irmtraud Ohme
ab 1984
freischaffend tätig als Metallgestalter, Maler und Grafiker
ab 1985
Mitglied im VBK-DDR
1986
Studienreise nach Taschkent, Samarkand, Buchara
1989–91
freier Mitarbeiter im Architekturbüro Siegfried Paul, Berlin: Farbkonzepte, Ausstellungsgestaltung
1991–01
Zusammenarbeit mit Ulrich Reimkasten: architekturbezogene Kunst, Innenarchitektur, Farbkonzeptionen, Wandmalerei
1991/92
Studienreise in die algerische Sahara
1991–96
Lehraufträge für architekturbezogene Kunst an der HKD Burg Giebichenstein Halle
seit 1991
Mitglied im Verein Kunst und Form, e. V.
1993–96
Vorstandsmitglied im Verein Kunst und Form e. V.
1997–01
Künstlerisch-Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Malerei/Textil an der HKD Burg Giebichenstein Halle
2002
Studienreise nach Chile
seit 2002
freischaffend
seit 2007
Begleitung der Restaurierungsmaßnahmen in der Dorfkirche Schmirma

Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, Auswahl

1986
Stocksteif und Wolkenblau, Holzplastik, Diplom auf der IV. Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder, Erfurt
Gemeinschaftsausstellung mit Hans Hertel, Galerie im Steinweg, Suhl
1988/89
Metallkunst aus der DDR, Kongresshalle, Berlin: Savanne, Installation
92/93/95
Ausstellungen des Kunst und Form e. V., Berlin, Hannover, Halle
1999
Verlängerte Frohe Zukunft, Moritzburg, Halle: Video-Projekt Sauerlandt-Imbiss
2000
Begegnungen. Japanische Ode an Goethe, Neuenburg, Freyburg (Unstrut)
2002–11
Große Kunstausstellung Halle (Saale), Kunsthalle Villa Kobe, Halle
seit 2004
Wege zur Schlichtheit, deutsch-japanische Ausstellungsreihe, Schloss Mitsuko, Todendorf
2005
Papydar, Künstlerhaus 188, Halle
Tuschzeichnungen, Martin-Luther-Universität, Halle
2006
Ausstellung, Galerie Herrmann, Mühlbach (Dresden)
2008
Utopie des Raumes, Museum für zeitgenössische Kunst, Bishkek (Kirgisistan)
Bewölkte Ressource, Forum für Malerei, Halle
2009–20
Intermezzo, Ausstellungsreihe, Galerie Nord, Halle
2012
Völker über Völker, Galerie Nord, Halle
2017
Digitanten, Galerie Woyski, Berlin
2022
Herakles und die Digitanten, Kleine Galerie des Halleschen Kunstvereins, Halle
2025
a-normal, 60 AdaDa, Paris

Kunst am Bau, Farbkonzepte, Ausführung

1990
The Wall, Potsdamer Platz, Berlin (Büro Siegfried Paul, Berlin)
1991
Café Babel, Berlin, Wandmalerei
1993
300-Jahr-Feier der Martin-Luther-Universität Halle, Festdekoration
1994
Oberfinanzdirektion Magdeburg, Eingangshalle: Naturstein-Bodenmosaik
1996
Expo 2000 – Ideen aus Halle – Kultur, Natur, Ausstellungs- und Aktionsreihe
1999
Pfarrhaus des Diakonischen Werkes Halle, farbliche Neufassung der Fassade
2003
Altenpflegeheim des Diakonischen Werkes Halle, Farbkonzept, sinnesbetonte Orientierungshilfe für Demenzkranke
2014
Kircheninnenraum der Kirche Schmirma, farbliche Neufassung
2019
Neues Stadtarchiv Leipzig, Farbgestaltung und Umsetzung

Ausstellungskonzeption und -gestaltung

1988/89
Metallkunst aus der DDR, Kongresshalle, Berlin: Mitglied der Konzeptionsgruppe des VBK-DDR unter Leitung von Prof. Irmtraud Ohme
1989
25 Jahre VideoSkulptur, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (Büro Siegfried Paul)
Traumzeichen. Raphia-Gewebe des Königreiches Bakuba, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (Büro Siegfried Paul)
1990
Der geraubte Schatten. Die Photographie als ethnografisches Dokument, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (Büro Siegfried Paul)
Jimmy Pike. Bilder aus der Großen Australischen Sandwüste, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (Büro Siegfried Paul)
1992/93/95
Ausstellungen des Kunst und Form e. V., Berlin, Hannover, Halle
2000
Begegnungen – Japanische Ode an Goethe, Neuenburg, Freyburg (Unstrut)
2005
Perlon und Parolen, Ausstellung zum soziokulturellen Projekt zwischen Halle und Hildesheim
2005/06
Interzone, Kunstparcours zwischen Halle und Hildesheim, Idee und Rahmenkonzeption
2006/07/09
Karl Völker. Utopie und Sachlichkeit, Stiftung Moritzburg, Halle, Bomann-Museum und Otto-Haesler-Haus, Celle
2013
Heilige Geschichten. Der expressionistische Bilderschatz aus Schmirma, Stiftung Moritzburg, Halle
2014
Gut zum Druck. Die Stiftung Karl Völker, Lyonel-Feininger-Galerie, Quedlinburg
seit 2004
Wege zur Schlichtheit, deutsch-japanische Ausstellungsreihe, Schloss Mitsuko, Todendorf

Stipendium

2010
Arbeitsstipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt

Literatur/Kataloge

1987
Ausstellungskatalog zur Ausstellung in der Galerie im Steinweg, Suhl
1989
Metallkunst aus der DDR, Ausstellungskatalog, Haus der Kulturen der Welt, Berlin
1990
The Wall – live, Programmheft, Berlin
1992
Emailsymposium Thale, Dokumentationskatalog
1993
Kunst und Form in der Handwerkskammer Hannover, Ausstellungskatalog
1993
Burg Giebichenstein. Die hallesche Kunstschule von den Anfängen bis zur Gegenwart, Halle
1995
Zwei Schmetterlinge. sie tanzen in der Luft bis, doppelt-weiß, sie sich begegnen, Hochschulkatalog, Schloss Lichtenburg, Prettin; Kunst und Form, 1995, Ausstellungskatalog
1996
Prinzip Horde. Kreativitätskommunikation, Hochschulkatalog, Halle; Wandmalerei im Altenpflegeheim Johannes Jänicke Haus des Diakonischen Werkes Halle, Dokumentationskatalog, Halle
1999
Verlängerte Frohe Zukunft, Ausstellungskatalog, Staatliche Galerie Moritzburg, Halle, Cornelia Wieg: Klaus Völker: Sauerlandt-Imbiss – Versuch im und über das kulturelle Hintergrundrauschen, Halle
2002
Zwischen Himmel und Erde. 1. OG, Hochschulkatalog, Gestaltung der Geburtenstation im St. Elisabeth und St. Barbara Krankenhaus, Halle
2005
Perlon und Parolen, Zeitschriftenreihe zum soziokulturellen Projekt zwischen Halle und Hildesheim
2008
Klaus Völker, Reihe Signifikante Signaturen, Sandstein Verlag, Dresden
seit 2018
Ausstellungskataloge der Reihe Wege zur Schichtheit, Schloss Mitsuko, Todendorf